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Brezel vs. Brei… oder doch Brezelbrei?

Ich gebe es zu: eine ehrliche (schwäbische) Laugenbrezel, frisch mit Butter beschmiert… das ist ein Frühstück für das ich mich ähnlich stark begeistern kann, wie für eine Schüssel warmen Brei. Bin ich deshalb jetzt eine Brei-Betrügerin? Bin ich meiner großen Liebe untreu geworden?

In dem Fall lasse ich kein „entweder oder“ zu und plädiere für einen offeneren Umgang mit der Breiliebe. Warum sich entscheiden, wenn man beides haben kann?

Um die Skeptiker unter euch zu überzeugen, möchte ich kurz ausholen:

Früher kaufte mein Papa für meine zwei kleinen Schwestern und mich am Neujahrsmorgen eine große, süße Neujahrsbrezel. Wir haben das traditionell badische Hefeteiggebäck, das als Glücksbringer gilt, zusammen feierlich in einer Art Ritual am Küchentisch verspeist, indem wir einzelne Stückchen abgezupft und diese in einer dampfenden Tasse „Kaba“ (ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der ausschließlich der Markenname für Instant-Kakaogetränke genutzt wird) versenkt haben. Wir badeten die Stücke so lange in der heißen Flüssigkeit, bis sie mit Kaba durchtränkt und ganz schwammig waren, sodass wir nach kurzer Zeit delikaten, zähen „Brezelbrei“ löffeln konnten. Bereits damals gelang uns dadurch schon die perfekte Verschmelzung von zwei auf den ersten Blick doch recht verschiedenen Leckereien.

Außerdem starteten wir somit ganz unbewusst mit einem alten russischen Brauch ins neue Jahr. In der Nacht vom 13. auf 14. Januar feiert man dort, oft zusätzlich zu Silvester, das „Alte Neue Jahr“, welches nach dem Julianischen (alten) Kalender nämlich 13 Tage nach der Gregorianischen (neuen) Zeitrechnung beginnt.

Einer der bekanntesten Bräuche ist in diesem Zusammenhang das „Brei lesen“. Man kocht einen Brei, lässt ihn abkühlen und nimmt ihm dann die Haut ab *kurzer Ekelmoment meinerseits*. Wenn er darunter eher rötlich und grobkörnig ist, darf man sich auf ein glückliches Jahr freuen. Ist er eher blass und kleinkörnig, dann sollte man sich auf ein paar harte Monate einstellen und den schlechten Brei schleunigst in den nächsten Fluss kippen…

Indem meine Schwestern und ich weder mit dem Kabapulver noch mit dem Hefeteig besonders sparsam waren, erfüllte, nein, übertraf unsere rötlich-bräunliche grobstückige Brezelbreikreation somit stets die Kriterien für ein glückliches Jahr; wobei wir es natürlich nie soweit haben kommen lassen, dass sich eine Haut über dem Kababrei bilden konnte. Versteht sich von selbst.

Auch wenn ich bisher noch keine Laugenbrezel in Kaba getunkt habe, so dürfte die Message dennoch durchgesickert sein: sowohl der Brei als auch die Brezel sind international anerkannte Boten der Glückseligkeit und sollten daher koexistieren. Der maximale Glücksrausch kann jedoch nur in der Kombination beider Komponenten erreicht werden, was zumindest an Neujahr in der beschriebenen Form des „Brezelbreis“ zelebriert werden sollte. Probiert es aus 🙂

Ich kann jedenfalls rückblickend behaupten, dass uns das Brei’ische Glücksorakel nie im Stich gelassen hat. Und mein Papa, der uns immer zuverlässig mit Brezelnachschub versorgt hat, auch nicht. <3

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