Seifenblasen am Bistrotisch

Du sitzt mir gegenüber.

Wir sind einander zugewandt.

Ein Schmunzeln umspielt deinen Mund.

Du lässt mich nicht aus deinen seegrünen Augen, in denen ich mir selbst beim zerknistern zusehen kann.

Bei jedem Wort, das über meine Lippen kommt, rückst du näher, Zentimeter um Zentimeter.

Dann lässt du los –

verlässt deinen Platz.

Und schwebst als Seifenblase auf mich zu.

Tänzelnd, ja fast übermütig erkundest du die neue Freiheit.

Bis du schließlich auf meinem Milchschaum zerplatzt.

In dem Café mit den kleinen Bistrotischen.

Zelttempel

Der Herbstwind hat unser Zelt zum Einsturz gebracht.

Ich dachte, es wäre ein Tempel. Ein Tempel mit festem Fundament?!

Gebaut von uns beiden zwischen den Hügeln der Stadt.

Ein Ort der Leichtigkeit, an dem Augen funkeln und die Seele tanzt.

Ein Ort der schöpferischen Kraft, an dem wir Dichter und Liebende sind.

Ein Ort des Friedens, an dem kein Platz ist für Sorge und Schmerz.

Diesen Ort gibt es nicht mehr.

Kaum waren die langen Tage Geschichte, warst es auch du.

Nur ein Moment, kaum ein Sturm, mehr eine Böhe, brachte die Dunkelheit.

Wenn der Wind sich dreht, kehrst dann auch du zurück?

Mein Feuer ist noch längst nicht erloschen.

Es kann uns im Winter wärmen –

wenn wir den Tempel aus den Trümmern zerbrochener Herzen wieder errichten…

Ich möcht‘ dich gern in meinem Garten pflanzen

Ich möcht‘ dich gern in meinem Garten pflanzen.

Dein Beet bereiten und dich dort verwurzeln.

Hüter deiner Blüte sein und deinen Schlaf bewachen.

Dich besuchen und still bewundern.

Dich behutsam berühren und stetig umsorgen.

Dich pflegen und riechen, wann immer ich will.

Dein Wachstum aus der Nähe betrachten.

Dein Gärtner sein, dich ewig erhalten.

Du darfst dir selbt dein eigenes Plätzchen wählen.

Nur möcht‘ ich zum Morgengrauen bei dir sein.

Der Spannungsbogenakrobat

„Ich küsse dich in Gedanken aufrichtig, in Wirklichkeit wäre es mir lieber.“

… schreibt der österreichische Schriftsteller Franz Grillparzer im Herbst 1823 in einem seiner sehnsuchtsvollen Briefe aus Tschechien an seine Katty (Katharina Fröhlich).

Diese wundervolle Karte von Paulina Gimpel war für mich nicht nur ein Anlass, um ein wenig zum (Liebes-) Leben von Franz Grillparzer zu recherchieren. Sondern mich (und vielleicht ja auch euch?!) daran zu erinnern, welch große Wirkung eine kleine Schreibtat, wie das Versenden von Kärtchen und Briefpost, entfacht. Nicht nur beim beglückten Empfangenden, sondern auch beim Sendenden, der sich allein an dem Gedanken erfreuen kann, wie nah er einer Herzensperson durch das Schriftstück, das er auf die Reise schickt, kommen kann. Gerade dann, wenn ein richtiger Kuss eben gerade nicht drin ist…

Grillparzer arbeitete zum Zeitpunkt seines Briefes an Katty einige Monate als Angestellter des damaligen österreichischen Finanzministers Graf Stadion in der mährischen Stadt Jemnice. Katty war währenddessen in Wien. Franz und Katty waren zeitlebens einander verfallen – obwohl sie nie heirateten und oft räumlich voneinander getrennt waren. Sie „glühten, aber sie schmolzen nicht“.

Grillparzer sei unentschlossen gewesen. Doch er war zweifellos, wenn nicht sogar rasend, verliebt.

Und er schaffte es mit einfachen Mitteln (wie Worten auf Papier) die Dramaturgie des Begehrens bis hin zum lang ersehnten Kuss zu perfektionieren. Ein wahrer Spannungsbogenakrobat.

Ob ihr nun glüht, dahinschmelzt oder schon mit ganzer Flammer brennt – tut es dem Herrn Grillparzer gleich und zaubert ein paar Worte der Zuneigung dahin… …und wenn es nur zum Valentinstag ist….<3

– – – – – – – Mit den Neuigkeiten bin ich zu Ende, aber nicht mit der Bitte, mir recht bald zu schreiben, viel, lieb, gut, kurz alles, womit Sie so glücklich machen

Ihre

Katty.


Briefwechsel zwischen Franz und Katty: https://www.projekt-gutenberg.org/antholog/liebesbr/chap056.html

Brezel vs. Brei… oder doch Brezelbrei?

Ich gebe es zu: eine ehrliche (schwäbische) Laugenbrezel, frisch mit Butter beschmiert… das ist ein Frühstück für das ich mich ähnlich stark begeistern kann, wie für eine Schüssel warmen Brei. Bin ich deshalb jetzt eine Brei-Betrügerin? Bin ich meiner großen Liebe untreu geworden?

In dem Fall lasse ich kein „entweder oder“ zu und plädiere für einen offeneren Umgang mit der Breiliebe. Warum sich entscheiden, wenn man beides haben kann?

Um die Skeptiker unter euch zu überzeugen, möchte ich kurz ausholen:

Früher kaufte mein Papa für meine zwei kleinen Schwestern und mich am Neujahrsmorgen eine große, süße Neujahrsbrezel. Wir haben das traditionell badische Hefeteiggebäck, das als Glücksbringer gilt, zusammen feierlich in einer Art Ritual am Küchentisch verspeist, indem wir einzelne Stückchen abgezupft und diese in einer dampfenden Tasse „Kaba“ (ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der ausschließlich der Markenname für Instant-Kakaogetränke genutzt wird) versenkt haben. Wir badeten die Stücke so lange in der heißen Flüssigkeit, bis sie mit Kaba durchtränkt und ganz schwammig waren, sodass wir nach kurzer Zeit delikaten, zähen „Brezelbrei“ löffeln konnten. Bereits damals gelang uns dadurch schon die perfekte Verschmelzung von zwei auf den ersten Blick doch recht verschiedenen Leckereien.

Außerdem starteten wir somit ganz unbewusst mit einem alten russischen Brauch ins neue Jahr. In der Nacht vom 13. auf 14. Januar feiert man dort, oft zusätzlich zu Silvester, das „Alte Neue Jahr“, welches nach dem Julianischen (alten) Kalender nämlich 13 Tage nach der Gregorianischen (neuen) Zeitrechnung beginnt.

Einer der bekanntesten Bräuche ist in diesem Zusammenhang das „Brei lesen“. Man kocht einen Brei, lässt ihn abkühlen und nimmt ihm dann die Haut ab *kurzer Ekelmoment meinerseits*. Wenn er darunter eher rötlich und grobkörnig ist, darf man sich auf ein glückliches Jahr freuen. Ist er eher blass und kleinkörnig, dann sollte man sich auf ein paar harte Monate einstellen und den schlechten Brei schleunigst in den nächsten Fluss kippen…

Indem meine Schwestern und ich weder mit dem Kabapulver noch mit dem Hefeteig besonders sparsam waren, erfüllte, nein, übertraf unsere rötlich-bräunliche grobstückige Brezelbreikreation somit stets die Kriterien für ein glückliches Jahr; wobei wir es natürlich nie soweit haben kommen lassen, dass sich eine Haut über dem Kababrei bilden konnte. Versteht sich von selbst.

Auch wenn ich bisher noch keine Laugenbrezel in Kaba getunkt habe, so dürfte die Message dennoch durchgesickert sein: sowohl der Brei als auch die Brezel sind international anerkannte Boten der Glückseligkeit und sollten daher koexistieren. Der maximale Glücksrausch kann jedoch nur in der Kombination beider Komponenten erreicht werden, was zumindest an Neujahr in der beschriebenen Form des „Brezelbreis“ zelebriert werden sollte. Probiert es aus 🙂

Ich kann jedenfalls rückblickend behaupten, dass uns das Brei’ische Glücksorakel nie im Stich gelassen hat. Und mein Papa, der uns immer zuverlässig mit Brezelnachschub versorgt hat, auch nicht. <3

Wie der Brief dem Virus trotzt

Der Brief, das Kärtchen, persönliche Worte auf Papier….Nähe und Beistand per Post verschickt.

Eine einfache und gleichsam robuste Form der Zuneigung, die in Zeiten wie diesen, in welchen so viele von uns eine Umarmung (und so viel mehr) bitter nötig hätten, jeglichem Infektionsrisiko trotzt und doch so wirkungsvoll ist…

Eine tolle Inspiration von unserer Bundeskanzlerin! <3 Ich bin definitiv auch dafür, wieder mehr Briefe zu schreiben!

Bleibt alle gesund, achtet auf euch und auf die Gesundheit anderer!

Eure Iris

 

Einfallslos – Haferlos?

Ich habe das Gefühl, dass Brei die Frühstückstische in Deutschland ganz langsam zurückerobert. Zumindest das klassische Porridge aus Haferflocken scheint zur neuen Szenemahlzeit geworden zu sein. Sicherlich ist „Haferkater“ (@haferkater), der Porridgespezialist aus Berlin, an dieser Stelle der ganz große Vor(b)reiter. Dieses Jahr wurde der 3. Standort am Kölner Hauptbahnhof eröffnet.

Soweit so gut. Was mich an der ganzen Sache noch ein bisschen stört ist, dass es immer nur um Hafer als Basis geht. Dabei gibt es doch sooo viele andere geeignete Getreidesorten, die eine hervorragende Breikonsistenz zaubern – ich denke da z.B. an den schwarzen Reisbrei mit Mangomus, den ich im vergangenen Jahr in (@friendsandallies) Auckland (Neuseeland) gekostet habe, oder an das herzhafte Daal in Kopenhagen (@groed).

Fakt ist: ich bin auf der Suche nach kreativen und inspirierenden, haferlosen Breikreationen und komme doch immer wieder zum Ergebnis: ich muss es wahrscheinlich einfach selbst in die Hand nehmen und den Breikochlöffel schwingen, damit die Suche ein Ende hat 😀

Viele liebe Grüße aus dem (breilosen?!) Schwabenländle

Die Herrlichkeit des Lebens

„Es ist sehr gut denkbar, daß die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in ihrer ganzen Fülle bereit liegt, aber verhängt, in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit. Aber sie liegt dort, nicht feindselig, nicht widerwillig, nicht taub. Ruft man sie mit dem richtigen Wort, beim richtigen Namen, dann kommt sie. Das ist das Wesen der Zauberei, die nicht schafft, sondern ruft.“
Quelle: Tagebücher von Franz Kafka, 18. Oktober 1921
In diesem Sinne: Ein herrliches Wochenende :-*