Warum heißt es eigentlich „Um den heißen Brei herumreden?“

Wir alle haben dieses Sprichwort sicher schon einmal benutzt und kennen seine Bedeutung. Aber erst, als mich ein Kollege darauf aufmerksam machte, stellte ich mir die Frage, was es eigentlich mit dem Brei darin auf sich hat… Das englische Pendant „to pussyfoot around“ lässt leicht erkennen, dass es hier um etwas Anderes geht, als um den Brei an sich.

Der Brei ist also nur ein Mittel zum Zweck, um eine bestimmte Botschaft zu übermitteln. Und wenn man sich die bekannte Abwandlung der Redewendung „Wie die Katze um den heißen Brei schleichen“ anschaut, dann könnte man den Brei strenggenommen auch einfach durch Milch ersetzen. Ernüchternd.

Denn es ist ja so: Der Brei /die Milch ist der Katze noch zu heiß, als das sie ihn gerne schlabbern wollen würde. Die Sache ist ihr einfach zu riskant, sie drückt sich davor zur Tat zu schreiten, weil sie befürchtet, sich die Schnurrhaare zu verbrennen. Wenn wir also um den heißen Brei herumreden, was wir sicher alle schonmal getan haben, dann drücken wir uns davor eine unangenehme, heikle Sache anzusprechen.

Also gibt es gar keinen Zusammenhang zum Brei?

Doch, denk ich mir, denn wenn jemand einfach nicht zu Potte kommt, eine bestimmte Sache partout nicht herausrücken mag, das kann einen schonmal zum Kochen bringen – wie einen Brei, den man zu lange auf dem Herd hat stehen lassen.

Ah jetzt ja!

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Die „Falk’sche Fragestunde“ ist ein neues Format, welches ich ab jetzt gerne in meinen Blog integrieren möchte und in welchem ich immer wieder Fragen, die vielleicht auch nur im Entferntesten mit dem eigentlichen Thema Brei (oder Brief) zu tun haben, versuchen möchte zu beantworten. Die Rubrik ist einem lieben Kollegen (M. Falk) gewidmet, stellvertretend für all diejenigen, die mich zu immer neuen Themen auf diesem Blog inspirieren und mich ermutigen, niemals aufzuhören (bescheuerte) Fragen zu stellen.

Müsli vs. Brei – Der kleine, feine Unterschied

Ihr lieben Breibegeisterten!

Zu diesem Beitrag hat mich ein sehr guter Freund aus der Heimat inspiriert, dem ich bei einem sonntäglichen Telefonat auf der Couch über BreiundBrief erzählte.

Er machte mich darauf aufmerksam, dass er noch nie so richtig den Unterschied zwischen Brei und Müsli verstanden hätte und fragte mich, ob ich ihn denn wüsste. Da musste ich passen und mir war schnell klar: diese Wissenslücke musste ich als selbsternannte „Breiexpertin“ schnellstmöglich schließen!

Die Wurzeln des Müslis liegen in der Schweiz, beim Bircher Müsli, auch als Bircher Mues bekannt. Die alte Rezeptur, die Dr. Maximilian Bircher Benner, Pionier der Vollwertkost, um 1900 herum entwickelte, basiert auf Haferflocken, die in (Kondens-) Milch eingeweicht, mit Apfelmus, Nüssen und Zitronensaft verfeinert, aber nicht gekocht werden. Durch seine doch recht schleimige Konsistenz hat das Bircher ja aber schon eher Ähnlichkeit mit einem Brei, wie ich finde.

Der Ursprung, oder eher „Ursprüngli“ des Müslis ist also ein Brei???

Ich lese, dass der Müslihersteller Seitenbacher aus dem Odenwald (meine Heimat!!!) durch die neue Typografie des Wortes Müsli (statt Muesli) Ende der 70er Jahre eine neue Ära der Getreidekostdefinitionen eingeläutet hat. Der Umlaut sollte die rohe,  den Beißerchen einiges abverlangende Eigenschaft der gesunden Getreidemix-Frühstückskost betonen. Die vielfältigen, rohen Trockenmischungen stellten einen Gegenpol zum eingeweichten, schlabberigen Schweizer Mus dar.

Und dennoch, das Bircher Müesli ist und bleibt per definitionem ein Müsli. Eine kurze Recherche gibt Aufschluss darüber, dass Brei eine „aufgequollene“ Speise bezeichnet. Im Duden wird man unter dem Eintrag „Brei“ über seine sprachliche Herkunft belehrt: mittelhochdeutsch brī(e) bzw. althochdeutschen brīo bezeichnet Bei etwa einen Sud bzw. etwas Gekochtes. Brei ist in seiner Ursprungsform also gekochtes, durch Flüssigkeit aufgequollenes Getreide.

Und was ist dann so eine Acai Bowl – ein Nichtgekochter-Getreidebreimüsli??

Jetzt wird es kompliziert! Ich versuche es mir so zu erklären: Müsli definiert die rohe Kornmischung, Brei die Zubereitungsart – als ursprüngliches Porridge z.B. gekocht und warm, als neumodischer Bowl fruchtig und püriert. Ein Müsli kann also auch als Brei gegessen werden –  Klar soweit?

In diesem Sinne, für Felix und alle anderen inspirierenden und inspirierten Menschen dort draußen: Hoch lebe der schlonzige Schlabberteig  🙂

Was ich sonst noch gelernt habe: 

  • Birchermüesli complet ist in der Schweiz eine Mahlzeit aus Birchermus mit Butterbrot und Milchkaffee.
  • Müsli – mit langem ü – ist in den meisten alemannischen Dialekten die Verkleinerungsform von Muus („Maus“). Müsli bedeutet dort also „Mäuslein“.

Die Herrlichkeit des Lebens

„Es ist sehr gut denkbar, daß die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in ihrer ganzen Fülle bereit liegt, aber verhängt, in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit. Aber sie liegt dort, nicht feindselig, nicht widerwillig, nicht taub. Ruft man sie mit dem richtigen Wort, beim richtigen Namen, dann kommt sie. Das ist das Wesen der Zauberei, die nicht schafft, sondern ruft.“
Quelle: Tagebücher von Franz Kafka, 18. Oktober 1921
In diesem Sinne: Ein herrliches Wochenende :-*