Verderben zu viele Köche den Brei?

Ich bin wirklich dankbar dafür, dass es in meinem Umfeld so hinreißende Menschen gibt, die mich ab und zu daran erinnern, dass man hin und wieder einmal Abstand gewinnen sollte vom Alltagsgehetze und sich stattdessen wieder Herzensprojekten zuwendet. Dass es wichtig ist, sich mal wieder zu öffnen für Inspiration aus dem Umfeld, und sich einfach treiben zu lassen, um zu schauen, wo man landet, um dann festzustellen, dass alle Wege (mich) zu diesem Blog führen.

Kürzlich erwähnte ein Mitläufer beim Intervalltraining bei gefühlt Runde 34 auf der Aschenbahn im Gespräch (ja, wir bemühen uns auch um gehaltvolle Konversation während wir 90 Minuten lang im Kreis rennen…) die Redensart „Zu viele Köche verderben den Brei“.

Nach diesem Sprichwort kommt nichts Gutes dabei heraus, wenn sich zu viele Personen um ein und dieselbe Sache kümmern. Es wird darüber gefachsimpelt, bildlich gesprochen jetzt, wie viel Zucker der Brei denn wohl verträgt (bis er viel zu süß ist), wie lange er denn nun noch kochen sollte (bis er verbrennt) und welche Früchte man noch hinzugeben sollte (ohne einen Kompromiss zu finden). Das Ergebnis ist ein maximal verkochter Zuckerfruchtklumpen, dem es wirklich gutgetan hätte, wenn nur ein Breiexperte das Zepter (oder den Löffel) in die Hand genommen hätte.

In meinem Fall hatten wohl mehrere Personen unabhängig voneinander eine klare Vorstellung davon, dass sie mich (den Brei) mal ganz dringend vom Herd nehmen sollten, um mich eine kleine, feine Weile ruhen zu lassen. Das Resultat ist kein hoffnungsloser Zuckerfruchtklumpen, sondern ein herrlich unsinniger Beitrag, der mich gerade sehr glücklich stimmt!

Daher bleib ich dabei: Lieber zu viele Köche als gar keinen Brei 🙂

ALLES, nur kein Einheitsbrei!

Seit einiger Zeit geistert der Begriff „Einheitsbrei“ in meinem Kopf herum und ich kam zu dem Entschluss, dass dieses Herumgeistern auf jeden Fall blogartikelwürdig ist! Die Falk’sche Fragestunde mus schließlich befüttert werden.

Warum sagt man also „Einheitsbrei“ was im Duden als „unattraktives Einerlei ohne charakteristische, hervorstechende Elemente“ beschrieben wird. Woher kommt der Begriff? Und warum habe ich das Gefühl, dass er so abwertend konnotiert ist?

Hat der Einheitsbrei vielleicht sogar symbolischen und realen Charakter, weil er als repräsentative Speise der Feierlichkeiten zur Wiedervereinigung  diente (sehr unterhaltsam: http://www.stupidedia.org/stupi/Einheitsbrei)?

Bereits die Duden Definition macht deutlich: Es geht um Einheitlichkeit, um „Zu viel vom Gleichen“, daher übersetzen wohl auch die Franzosen „Einheitsbrei“ schlicht mit „uniformité“ und tragen damit wenn dann bestenfalls der Einheit, nicht aber dem Brei Rechnung.

In England nutzt man „old story“. Oder „pabulum“, was sich vom lateinischen Urpsprung „Futter“ ableitet und eigentlich meint, dass man etwas als sehr nüchtern, langweilig, nichtssagend erachtet. Ein seelenloser Brei, sozusagen!

Es geht beim Einheitsbrei – zumindest nicht ernst gemeint – ums (Brei) Essen, sondern um die Beschreibung von öder, völlig uninspirierter Existenz .

Dieser Blog dient jedoch dem Zweck, das Image des Breis aufzuwerten. Es geht darum, positive Assoziationen zu Brei zu schaffen und von einem langweiligen Einheitsbrei sind wir an der Stelle GANZ weit entfernt!

In diesem Sinne, bleibt dem Brei treu!

Iri

Warum heißt es eigentlich „Um den heißen Brei herumreden?“

Wir alle haben dieses Sprichwort sicher schon einmal benutzt und kennen seine Bedeutung. Aber erst, als mich ein Kollege darauf aufmerksam machte, stellte ich mir die Frage, was es eigentlich mit dem Brei darin auf sich hat… Das englische Pendant „to pussyfoot around“ lässt leicht erkennen, dass es hier um etwas Anderes geht, als um den Brei an sich.

Der Brei ist also nur ein Mittel zum Zweck, um eine bestimmte Botschaft zu übermitteln. Und wenn man sich die bekannte Abwandlung der Redewendung „Wie die Katze um den heißen Brei schleichen“ anschaut, dann könnte man den Brei strenggenommen auch einfach durch Milch ersetzen. Ernüchternd.

Denn es ist ja so: Der Brei /die Milch ist der Katze noch zu heiß, als das sie ihn gerne schlabbern wollen würde. Die Sache ist ihr einfach zu riskant, sie drückt sich davor zur Tat zu schreiten, weil sie befürchtet, sich die Schnurrhaare zu verbrennen. Wenn wir also um den heißen Brei herumreden, was wir sicher alle schonmal getan haben, dann drücken wir uns davor eine unangenehme, heikle Sache anzusprechen.

Also gibt es gar keinen Zusammenhang zum Brei?

Doch, denk ich mir, denn wenn jemand einfach nicht zu Potte kommt, eine bestimmte Sache partout nicht herausrücken mag, das kann einen schonmal zum Kochen bringen – wie einen Brei, den man zu lange auf dem Herd hat stehen lassen.

Ah jetzt ja!

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Die „Falk’sche Fragestunde“ ist ein neues Format, welches ich ab jetzt gerne in meinen Blog integrieren möchte und in welchem ich immer wieder Fragen, die vielleicht auch nur im Entferntesten mit dem eigentlichen Thema Brei (oder Brief) zu tun haben, versuchen möchte zu beantworten. Die Rubrik ist einem lieben Kollegen (M. Falk) gewidmet, stellvertretend für all diejenigen, die mich zu immer neuen Themen auf diesem Blog inspirieren und mich ermutigen, niemals aufzuhören (bescheuerte) Fragen zu stellen.

Müsli vs. Brei – Der kleine, feine Unterschied

Ihr lieben Breibegeisterten!

Zu diesem Beitrag hat mich ein sehr guter Freund aus der Heimat inspiriert, dem ich bei einem sonntäglichen Telefonat auf der Couch über BreiundBrief erzählte.

Er machte mich darauf aufmerksam, dass er noch nie so richtig den Unterschied zwischen Brei und Müsli verstanden hätte und fragte mich, ob ich ihn denn wüsste. Da musste ich passen und mir war schnell klar: diese Wissenslücke musste ich als selbsternannte „Breiexpertin“ schnellstmöglich schließen!

Die Wurzeln des Müslis liegen in der Schweiz, beim Bircher Müsli, auch als Bircher Mues bekannt. Die alte Rezeptur, die Dr. Maximilian Bircher Benner, Pionier der Vollwertkost, um 1900 herum entwickelte, basiert auf Haferflocken, die in (Kondens-) Milch eingeweicht, mit Apfelmus, Nüssen und Zitronensaft verfeinert, aber nicht gekocht werden. Durch seine doch recht schleimige Konsistenz hat das Bircher ja aber schon eher Ähnlichkeit mit einem Brei, wie ich finde.

Der Ursprung, oder eher „Ursprüngli“ des Müslis ist also ein Brei???

Ich lese, dass der Müslihersteller Seitenbacher aus dem Odenwald (meine Heimat!!!) durch die neue Typografie des Wortes Müsli (statt Muesli) Ende der 70er Jahre eine neue Ära der Getreidekostdefinitionen eingeläutet hat. Der Umlaut sollte die rohe,  den Beißerchen einiges abverlangende Eigenschaft der gesunden Getreidemix-Frühstückskost betonen. Die vielfältigen, rohen Trockenmischungen stellten einen Gegenpol zum eingeweichten, schlabberigen Schweizer Mus dar.

Und dennoch, das Bircher Müesli ist und bleibt per definitionem ein Müsli. Eine kurze Recherche gibt Aufschluss darüber, dass Brei eine „aufgequollene“ Speise bezeichnet. Im Duden wird man unter dem Eintrag „Brei“ über seine sprachliche Herkunft belehrt: mittelhochdeutsch brī(e) bzw. althochdeutschen brīo bezeichnet Bei etwa einen Sud bzw. etwas Gekochtes. Brei ist in seiner Ursprungsform also gekochtes, durch Flüssigkeit aufgequollenes Getreide.

Und was ist dann so eine Acai Bowl – ein Nichtgekochter-Getreidebreimüsli??

Jetzt wird es kompliziert! Ich versuche es mir so zu erklären: Müsli definiert die rohe Kornmischung, Brei die Zubereitungsart – als ursprüngliches Porridge z.B. gekocht und warm, als neumodischer Bowl fruchtig und püriert. Ein Müsli kann also auch als Brei gegessen werden –  Klar soweit?

In diesem Sinne, für Felix und alle anderen inspirierenden und inspirierten Menschen dort draußen: Hoch lebe der schlonzige Schlabberteig  🙂

Was ich sonst noch gelernt habe: 

  • Birchermüesli complet ist in der Schweiz eine Mahlzeit aus Birchermus mit Butterbrot und Milchkaffee.
  • Müsli – mit langem ü – ist in den meisten alemannischen Dialekten die Verkleinerungsform von Muus („Maus“). Müsli bedeutet dort also „Mäuslein“.