Ihr lieben Breibegeisterten!
Zu diesem Beitrag hat mich ein sehr guter Freund aus der Heimat inspiriert, dem ich bei einem sonntäglichen Telefonat auf der Couch über BreiundBrief erzählte.
Er machte mich darauf aufmerksam, dass er noch nie so richtig den Unterschied zwischen Brei und Müsli verstanden hätte und fragte mich, ob ich ihn denn wüsste. Da musste ich passen und mir war schnell klar: diese Wissenslücke musste ich als selbsternannte „Breiexpertin“ schnellstmöglich schließen!
Die Wurzeln des Müslis liegen in der Schweiz, beim Bircher Müsli, auch als Bircher Mues bekannt. Die alte Rezeptur, die Dr. Maximilian Bircher Benner, Pionier der Vollwertkost, um 1900 herum entwickelte, basiert auf Haferflocken, die in (Kondens-) Milch eingeweicht, mit Apfelmus, Nüssen und Zitronensaft verfeinert, aber nicht gekocht werden. Durch seine doch recht schleimige Konsistenz hat das Bircher ja aber schon eher Ähnlichkeit mit einem Brei, wie ich finde.
Der Ursprung, oder eher „Ursprüngli“ des Müslis ist also ein Brei???
Ich lese, dass der Müslihersteller Seitenbacher aus dem Odenwald (meine Heimat!!!) durch die neue Typografie des Wortes Müsli (statt Muesli) Ende der 70er Jahre eine neue Ära der Getreidekostdefinitionen eingeläutet hat. Der Umlaut sollte die rohe, den Beißerchen einiges abverlangende Eigenschaft der gesunden Getreidemix-Frühstückskost betonen. Die vielfältigen, rohen Trockenmischungen stellten einen Gegenpol zum eingeweichten, schlabberigen Schweizer Mus dar.
Und dennoch, das Bircher Müesli ist und bleibt per definitionem ein Müsli. Eine kurze Recherche gibt Aufschluss darüber, dass Brei eine „aufgequollene“ Speise bezeichnet. Im Duden wird man unter dem Eintrag „Brei“ über seine sprachliche Herkunft belehrt: mittelhochdeutsch brī(e) bzw. althochdeutschen brīo bezeichnet Bei etwa einen Sud bzw. etwas Gekochtes. Brei ist in seiner Ursprungsform also gekochtes, durch Flüssigkeit aufgequollenes Getreide.
Und was ist dann so eine Acai Bowl – ein Nichtgekochter-Getreidebreimüsli??
Jetzt wird es kompliziert! Ich versuche es mir so zu erklären: Müsli definiert die rohe Kornmischung, Brei die Zubereitungsart – als ursprüngliches Porridge z.B. gekocht und warm, als neumodischer Bowl fruchtig und püriert. Ein Müsli kann also auch als Brei gegessen werden – Klar soweit?
In diesem Sinne, für Felix und alle anderen inspirierenden und inspirierten Menschen dort draußen: Hoch lebe der schlonzige Schlabberteig 🙂
Was ich sonst noch gelernt habe:
- Birchermüesli complet ist in der Schweiz eine Mahlzeit aus Birchermus mit Butterbrot und Milchkaffee.
- Müsli – mit langem ü – ist in den meisten alemannischen Dialekten die Verkleinerungsform von Muus („Maus“). Müsli bedeutet dort also „Mäuslein“.
Ok, klar wie Kloßbrühe! Ich papier nix mehr 😲
🙂 Ich biete demnächst auch Breiseminare und- Workshops an. Vielleicht wird es dann noch etwas klarer, wenn wir zusammen den Breilöffel schwingen!