Der Spannungsbogenakrobat

„Ich küsse dich in Gedanken aufrichtig, in Wirklichkeit wäre es mir lieber.“

… schreibt der österreichische Schriftsteller Franz Grillparzer im Herbst 1823 in einem seiner sehnsuchtsvollen Briefe aus Tschechien an seine Katty (Katharina Fröhlich).

Diese wundervolle Karte von Paulina Gimpel war für mich nicht nur ein Anlass, um ein wenig zum (Liebes-) Leben von Franz Grillparzer zu recherchieren. Sondern mich (und vielleicht ja auch euch?!) daran zu erinnern, welch große Wirkung eine kleine Schreibtat, wie das Versenden von Kärtchen und Briefpost, entfacht. Nicht nur beim beglückten Empfangenden, sondern auch beim Sendenden, der sich allein an dem Gedanken erfreuen kann, wie nah er einer Herzensperson durch das Schriftstück, das er auf die Reise schickt, kommen kann. Gerade dann, wenn ein richtiger Kuss eben gerade nicht drin ist…

Grillparzer arbeitete zum Zeitpunkt seines Briefes an Katty einige Monate als Angestellter des damaligen österreichischen Finanzministers Graf Stadion in der mährischen Stadt Jemnice. Katty war währenddessen in Wien. Franz und Katty waren zeitlebens einander verfallen – obwohl sie nie heirateten und oft räumlich voneinander getrennt waren. Sie „glühten, aber sie schmolzen nicht“.

Grillparzer sei unentschlossen gewesen. Doch er war zweifellos, wenn nicht sogar rasend, verliebt.

Und er schaffte es mit einfachen Mitteln (wie Worten auf Papier) die Dramaturgie des Begehrens bis hin zum lang ersehnten Kuss zu perfektionieren. Ein wahrer Spannungsbogenakrobat.

Ob ihr nun glüht, dahinschmelzt oder schon mit ganzer Flammer brennt – tut es dem Herrn Grillparzer gleich und zaubert ein paar Worte der Zuneigung dahin… …und wenn es nur zum Valentinstag ist….<3

– – – – – – – Mit den Neuigkeiten bin ich zu Ende, aber nicht mit der Bitte, mir recht bald zu schreiben, viel, lieb, gut, kurz alles, womit Sie so glücklich machen

Ihre

Katty.


Briefwechsel zwischen Franz und Katty: https://www.projekt-gutenberg.org/antholog/liebesbr/chap056.html