„Vielleicht ist das das Paradies: der eigene Schreibtisch oder das Schreiben selbst.“
So steht es auf der Fensterscheibe eines Kaffeehauses in der Salzburger Altstadt, an dem ich an diesem verregneten Januarmorgen zufällig vorbeispaziere. Ausgesprochen hat das so wohl die österreichische Schriftstellerin Margret Kreidl.
Ob es am Jahreswechsel liegt, an dem kleinen (aber starken) Einspänner am Nachmittag oder aber am Blauen Zweigelt, der neben mir steht während ich das prasselnde Kaminfeuer in der heimeligen Unterkunft in den Bergen beobachte: ich fühle mich „angezündet“, voller Freude und Energie, diese Zeilen zu schreiben und so das Zitat und meine Gedanken und Gefühle dazu noch weiter zu verarbeiten.
Fakt ist: Kreidls Worte haben mich mitten ins Herz getroffen.
Das Paradies, das ist laut Duden (bzw. nach dem Alten Testament) „eine Stätte des Friedens, des Glücks und der Ruhe“, ein Ort, an dem man sich gerne aufhält, an dem man selig ist. Für mich war und ist der Schreibtisch schon immer mein „Happy Place“, mein kleines Paradies, an dem ich Ruhe finde, meinen Gedankenbrei sortiere, und wo auch damals, im November 2015, der erste Blogbeitrag entstanden ist.
Es ist aber nicht nur der Ort, den bei mir in erster Linie ein mit grünem Samt bezogener Stuhl und ein alter Holztisch kennzeichnen, sondern es ist dieser Zustand, den ich beim Schreiben erreiche. Ich finde Ruhe und Halt. Tanke Kraft. Alles darf sein. Mir geht es gut…
Aber Moment.
Manchmal kostet mich die ganze Schreiberei auch ziemlich viel Kraft. An meinem Schreibtisch habe ich schon viele Teile meiner Gefühlswelt kennengelernt – viele davon waren nicht sehr angenehm. Von paradiesischen Zuständen kann hier nicht die Rede sein. Doch eigentlich sind doch Schmerzen und unangenehme Gedanken im Paradies nicht vorgesehen, oder? Also was jetzt: ein Paradies mit Einschränkung?
Ich denke nicht. Denn vielleicht ist Frau Kreidls Zitat etwas anders zu verstehen: Ob mit Füller, Bleistift, auf einer Tastatur oder auf Papier. Das (am Schreibtisch) geschriebene Wort ist immer irdisch. Denn dahinter stecken menschliche Gedanken und Gefühle, die manchmal auch ziemlich schmerzhaft sein können. Doch dieser Schmerz ist endlich. Ebenso wie die Seiten des Briefes, dieser Blogartikel oder das Buch, das geschrieben wird.
Das, was daraus entsteht, ist jedoch grenzenlos.
- Im Großen: Wenn man Glück hat, erreichen die Worte eine ganze Menge Herzen und Seelen und werden dadurch verewigt.
- Im Kleinen: Für einen selbst, und das gilt auch für mich, ist das Schreiben heilsam. Es lässt einen wieder zu sich finden, indem Gedanken beruhigt werden und man mit ihnen Frieden schließen kann. Man fühlt sich danach leichter.
So ist das Schreiben möglicherweise eine Tür zum Paradies.
Eine Tür zur Schreibseligkeit, die sich manchmal auch hinter einer Fensterscheibe eines Salzburger Kaffeehauses versteckt…