Es ist Sonntag. Ich sitze in der Sonne und bin in Schreibelaune – allerdings verbinde ich das Schreiben heute mit einem kleinen Projekt. Ich folge beim Verfassen dieses Beitrags einem „Schreibimpuls“ (http://schreibaschram.de/de/bye-bye-schreibblockade/), bei dem noch nicht so ganz klar ist, wohin die Reise geht 🙂
Der Impuls „Anstiftung zum Schreiben“ ist eine kleine Aufgabe, die 25 min dauert: 2 min soll ich Worte zu einem Thema aufschreiben, das mich beschäftigt und über das ich gleich schreiben möchte; 1 min Zeit habe ich, um mir die 3 wichtigsten Worte herauszupicken und eine Kernaussage dazu zu formulieren, und dann soll ich mir eine offene Frage dazu überlege, die ich anschließend beantworten oder hinterfragen mag. 15 min „Schreibzeit“ sind dafür eingeplant. Also los!
Erstmal klingt das irgendwie ganz schön stressig, aber ich merke schnell, wie sich alles in mir beruhigt, wie ich entschleunige und mir den Stress der letzten Tage einfach „davonschreibe“ während mir die Worte aufs Papier gleiten. Ich bin ganz bei mir, indem ich mich völlig auf die Aufgabe konzentriere. Ich schreibe bzw. tippe einfach darauf los. Überarbeitet wird später.
Ich kenne diesen Effekt ganz gut vom Briefe schreiben, vom Aufschreiben von kleinen Geschichten, wenn ich einen Blogbeitrag verfasse… Beim „Freizeitschreiben“ gelingt mir diese „Erdung“ (ein Wort auf meiner Liste) ziemlich gut. Wenn ich an meine Dissertation denke, dann ist das ein anderer Zustand. Ich grüble zu viel, drücke mich oftmals davor einfach anzufangen, fast so, als wäre ich mir noch unsicher, ob die Gedanken, die in meinem Kopf sind überhaupt eine Berechtigung haben, zu Papier gebracht zu werden. Ich bin nicht geerdet, sondern angespannt.
Die Frage, die ich mir auf meinem Block notiere lautet daher: Wie erreiche ich den Zustand der Erdung beim Schreiben auch im beruflichen Kontext?
Meist „stauen“ sich zu viele Gedanken in meinem Hirn und manchmal wünsche ich mir das Denkarium von Dumbledore, bei dem man Gedanken einfach loswerden kann, wenn sie einem zu viel werden. Wenn man wieder Kapazität dafür hat, holt man sie sich einfach zurück.
So ein bisschen Hogwarts im Leben eines Doktoranden, das wäre es doch. Viele Mitstreiter, mit denen ich mich bisher ausgetauscht habe, teilen mein Bedürfnis, einen Zustand zu erreichen, in dem es ihnen gelingt, wirklich produktiv an ihrer Diss zu arbeiten und auch wirklich voranzukommen.
Auf der Suche nach einer Lösung fernab von Hogwarts, habe ich mich in den letzten Wochen viel mit dem Thema „Writing Retreat“ beschäftigt und bin dabei auf das Angebot eines Schreib-Aschrams gestoßen.
15-20 Teilnehmer, die wie ich ein wissenschaftliches Schreibprojekt verfolgen, kommen für mehrere Tage zusammen, um an einem zuvor ganz genau definierten Teil ihrer Arbeit zu arbeiten. Begleitet werden sie von Schreibcoaches und teilweise sogar von Professoren. Der Tagesablauf ist klosterähnlich, nahezu asketisch. Internet?! Maximal eine Stunde am Tag. Ein Weckgong läutet den Tag ein, dann folgt eine kleine Sporteinheit bevor es zum Frühstück geht. Die intensive Schreibsession am Morgen und am Nachmittag werden nur durch kleiner Entspannungspausen oder Einzelcoachings unterbrochen und nach einem leckeren Abendessen ist um 23 Uhr spätestens Zapfenstreich.
Die Teilnehmer des #schreibaschram berichten von unglaublicher Produktivität und gleichzeitiger Erholung. Eine Art meditativer Zustand, in dem man sich nur dem Schreiben hingibt und in einen wahren Schreibfluss eintaucht. Hört sich ja wirklich fast ein bisschen wie Zauberei an, aber ob das wirklich funktioniert?
Dass mich das Thema sehr beschäftigt, habe ich in meinem kleinen Selbstexperiment am eigenen Leib erfahren (im positiven Sinn) – die Wörter dieses Beitrags sind nur so aus mir herausgesprudelt. Ich bin gerade auf jeden Fall Feuer und Flamme für diese Schreib-Aschram / Writing Retreat Geschichte und werde auf jeden Fall dranbleiben. Habt ihr schon Erfahrungen mit Writing Retreats? Wäre das für euch auch interessant?
Falls ihr Infos habt, die ihr gerne mit mir teilen mögt, immer her damit!
Einen schönsten Abend, ihr Schreiberlinge da draußen!
Iri
Das klingt total spannend! Ich freu mich schon auf den Erfahrungsbericht deines Schreib-Aschram Besuches 🙂 Danke für den tollen Artikel <3
Deine Nati
Vielen Dank 😙
Darüber werde ich auf jeden Fall berichten!!!